Die derzeitige Situation der KMUs bei der Kreditbeantragung kann in der Praxis für viele Unternehmer als schwierig definiert werden. Mehrere Faktoren sind hierfür verantwortlich. Neben der Wirtschaftskrise und der Bankenkrise ist auch BASEL III maßgeblich dafür verantwortlich, obwohl dies oftmals in Bankenkreisen verneint wird.

Gerade in dieser Zeit wäre die Regierung gefordert, Maßnahmen zu setzten, die KMUs mit Gesetzesänderungen zu unterstützen, damit diese  nicht in Liquiditätsengpässe gelangen.

Geeignete Maßnahmen wären die Öffnung des Kapitalmarktes, das Überdenken von Förderungen (weg von den Kapitalförderungen hin zu Garantieförderungen) sowie ein steuerlicher Anreiz der Eigentümer, das Eigenkapital ihres Unternehmens zu stärken zum Beispiel in Form von Gewinnthesaurierungen. Ein weiterer möglicher Ansatz wäre, Eigentümer bei der Darlehensvergabe an das eigene Unternehmen den daraus lukrierten Zins endzubesteuern. Alle diese Maßnahmen wären relativ kurzfristig umsetzbar, nicht schwer zu administrieren und kontrollierbar und würden mit der Stärkung der Eigenmittel einen wesentlichen Akzent in der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft setzen.
 
Somit sei im Vorfeld gesagt, dass sowohl die Banken, als auch die Unternehmen gefordert sind, allerdings auch wesentliche Impulse aus der Politik kommen müssen, um die Situation in Zukunft zu entschärfen.

Ist-Analyse der Kreditlandschaft für KMUs


Für KMUs ist die derzeitige Situation mehr als mühsam. Häufig kommt es bei den Hausbanken zu Rahmenreduktionen bzw. zu keiner weiteren Prolongation auslaufender Rahmenvereinbarungen. Solche Maßnahmen gefährden die Liquidität eines Unternehmens massiv, im Besonderen dann, wenn es sich bereits in einer angespannten finanziellen Lage befindet.

Aufgrund der Eigenkapitalhinterlegungsmechanismen aus Basel III versuchen viele Bankinstitute bei bestehenden Kreditverhältnissen mehr Sicherheit zu verlangen. Wobei hier zu ergänzen ist, dass das typische KMU-Unternehmen in Österreich im klassischen Familienverbund bereits jetzt schon viele private Sicherheiten bei den Banken für das Unternehmen hinterlegt hat.

Blankokredite gibt es de facto nicht mehr, nur in Ausnahmenfällen lässt sich eine Bank noch dazu überreden, allerdings nur dann, wenn die gesamte Bonität des Kunden mehr als ausgezeichnet ist.
Gerade bei Unternehmen in der Krise ist es hier schwierig, einen vernünftigen Sanierungsweg mit der jeweiligen Hausbank zu gehen und eine Umschuldung auf ein neues Bankinstitut braucht  man erst gar nicht andenken.

Damit unsere heimischen Banken mehr Eigenkapital ausweisen können, verzeichnen wir einen drastischen Rückzug der Kreditinstitute aus dem Kreditgeschäft.

Derzeit sind die Bankkredite so günstig wie noch nie. Jedoch erwarten sich alle Banken aufgrund der neuen Eigenkapitalrichtlinien eine baldige Erhöhung des Zinsniveaus, auch hier gilt, je weniger Bonität das zu finanzierende Unternehmen aufweisen kann, um so teurer werden in Zukunft die Bankkredite werden. Dies ist dadurch begründet, dass die Banken aufgrund des internen Ratings von 1-10 Risikoaufschläge vergeben, da risikoreichere Kredite mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen sind.

Aus meiner Sicht wird sich das jedoch etwas abschwächen, da die Banken in Österreich einer enormen Wettbewerbssituation ausgesetzt sind und dieser Wettbewerb im großen Ausmaß über die Konditionen stattfindet.

Letztendlich führt diese Situation jedoch dazu, dass sich die Banken die bonitätsmäßig guten Kunden herausselektieren, die sich in einer nicht guten finanziellen Situation befindlichen Unternehmen auf der Strecke bleiben, entweder weil sie keine Finanzierung mehr erhalten, oder wenn ja, dann zu solchen Konditionen, die wirtschaftlich nicht mehr verkraftbar sind.

Bankinterne Ratings und die Anforderungen an den Unternehmer


Wenn wir von bankinternen Ratings sprechen, reden wir in der Regel von einer Zahl zwischen 1 und 10, die die Bonität des Unternehmens wiederspiegelt. Zur internen Bewertung zählen sowohl Hardfacts wie Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Eigenkapitalquote, Sicherheitenstruktur usw. als auch Softfacts wie die Person des Unternehmers.

Je höher die interne Ratingzahl ist, um so schlechter stellen sich die Auswirkungen für das Unternehmen dar und um so teurer wird das Finanzierungsvorhaben.

Im Schnitt wird es ein Unternehmer ab der Stufe 7 schwer haben, noch eine Finanzierung zu erhalten, jedoch auch für Unternehmen darunter werden die Zeiten immer schwieriger werden. Von zusätzlichen Sicherheiten bis hin zu Risikoaufschläge liegt die Bandbreite der Möglichkeiten der Hausbank.

Die Bedingungen verschärfen sich laut KMU Forschung Austria kontinuierlich.

Umso wichtiger ist es für den Unternehmer, sich gegenüber der Bank positiv zu präsentieren. Neben den Hardfacts kommt immer stärker die zentrale Figur des Unternehmers selbst in den Focus, gerade bei kleineren Unternehmen bzw. Unternehmen im Familienverbund.

Selbstverständlich sollte es für das Unternehmen sein, die Jahresabschlüsse pünktlich und gut dokumentiert der Bank zu übergeben. Hieraus analysiert die Bank aufgrund der letzten 3 Jahre Trends, die in die Bewertung einfließen. Trends können das Unternehmensrating positiv oder negativ beeinflussen, unabhängig von den aktuellen Bilanzzahlen.

Des Weiteren wird die Eigenkapitalquote des Unternehmens in die Berechnung mit einbezogen. Gerade hier liegen österreichische Unternehmen mit durchschnittlichen 30 % weit hinter dem EU-Durchschnitt und gerade hier ist akuter Handlungsbedarf bei den meisten Unternehmen in Zukunft angesagt.

Weitere wichtige Kennzahlen sind Cashflow und Gewinn, Schuldentilgung und die Liquidität des Unternehmens.

Ebenso wichtig wie die reinen Zahlen (Hardfacts) ist allerdings auch die Kommunikation des Unternehmens mit der Bank, gerade in Zeiten, wo eventuell div. Businesspläne sich nicht so gestalten, wie im Vorfeld angenommen, oder wo Liquiditätsengpässe entstehen. Offensive Informationspolitik mit der Bank ist auf jeden Fall besser, als wenn die Bank von selbst auf div. Fehlentwicklungen kommt und sie der Unternehmer „stillschweigt“.

Ebenso wird das Auftreten und der Werdegang des Unternehmers analysiert und bewertet. Kundenstrukturen und Lieferantenabhängigkeiten werden unter die Lupe genommen und alle diese Faktoren fließen in das interne Rating ein.

Daher ist es für einen Unternehmer in der heutigen Zeit sehr wichtig, sich gegenüber der Bank professionell darzustellen.

Dies nicht nur, um dem eigenen Ego genüge zu tun, sondern um im bankinternen Rating nach oben zu kommen, damit zukünftigen Finanzierungen nichts im Wege steht.

 

Conclusio

Diese Ausführungen, als Basics gedacht, klingen zwar einfach, werden aber aus Beratungssicht völlig unterschätzt bzw. nicht ausreichend vom Unternehmer gelebt und dokumentiert.

Anhand der obigen Ausführungen kann man deutlich erkennen, wie wichtig die richtige Präsentation des Unternehmens und des Unternehmers in Zukunft in der Kunden/Bankbeziehung ist.

Gerne helfe ich Ihnen bei der Aufbereitung der Unterlagen und im Coaching für anstehende Bankgespräche.



Eder Herbert
Lilienfeld, 1.3.2014

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